Sonntag, 19. März 2017






               
                                        Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.









Marie Freifrau Ebner von Eschenbach war eine mährisch-österreichische Schriftstellerin 
              und gilt mit ihren psychologischen Erzählungen als eine der bedeutendsten  
                         deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. 

                                      Geboren: 13  September 1830,  Zdislavice
                                     Gestorben: 12.März 1916, Wien, Österreich




                   
                                                            


                                                        Ungelöste Aufgaben.




Eine kluge Prinzessin wurde von einem beschränkten, aber sehr mächtigen König
geliebt und schenkte seinen Werbungen kein Gehör. Als er immer dringender und  in
Folge dessen lästiger wurde, beschloss sie, ihn für immer aus ihrer Nähe zu enfernen.
Dies musste jedoch in Güte geschehen, denn die Feindschaft des starken Nachbarn
wollte die Prinzessin ihrem Land nicht zuziehen.

 So sprach sie denn eines Tages zu ihm: "Deine Treue hat mich gerührt, und ich will sie
belohnen. Du sollst mein Gemahl werden, sofern es Dir gelingt, die Aufgabe zu lösen,
welche ich Dir stellen will."

 Der König rief: "Nenne sie, wenn es im Bereiche menschlicher Kraft liegt, werde ich sie
erfüllen."

"Zieh hin," erwiderte die Prinzessin, "und suche mir die folgenden drei Dinge ausfindig
zu machen:

Ein Vorurteil, das durch Vernunft besiegt wurde.
Eine Torheit, die so groß ist, dass  noch kein Mensch sie begangen hat.
Eine Lästerung, so schamlos, dass sich keine Zunge findet, um sie zu wiederholen."

Der König lachte und gab Befehl, die Hochzeitsfeier zu bereiten, denn er meinte, in
wenigen Tagen schon seine Braut heimzuführen. Dann begab er sich auf die Reise.

Dies geschah vor tausend Jahren, und bis heute ist er noch nicht zurückgekommen. 



                                              ~Marie von Ebner-Eschenbach~




  
💬


    Traurig aber wahr: Über beschränkte Nachfolger brauchen wir uns  derzeit auch nicht zu beklagen.  

 
👻








Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen.
Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.


~Joseph Joubert~










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